Stefan Wegner sagt (vorerst) "Tschüss"

(23.10.2014/wis) Nach 8 Jahren als Trainer auf der Neuen Bult in Langenhagen beginnt für den gebürtigen Bremer Stefan Wegner nach dem Saisonfinale am Sonntag eine neue Zeitrechnung.

Der 53-jährige wird den Trainerberuf an den Nagel hängen und zukünftig gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Gabriele Dohr als Verwalter auf einem privaten Hof in Ramlingen nahe Celle tätig werden. Damit schließt Wegner ein Kapitel von 26 Jahren Trainertätigkeit.

Wegner hatte formell zum 1. Dezember 2006 seine Trainertätigkeit auf der Neuen Bult begonnen, nachdem zuvor Wilhelm Giedt seinen Boxentrakt gekündigt hatte. Zuvor war Bollen vor den Toren Bremens das Trainingsdomizil von Stefan Wegner, das dem Coach auf Dauer aber keine zufriedenstellenden und professionellen Rahmenbedingungen bieten konnte. Die guten Trainingsbedingungen auf der Neuen Bult hatten damals den Ausschlag für den Umzug nach Langenhagen gegeben.

Und mit der Neue Bult betrat Stefan Wegner seinerzeit kein Neuland, verbrachte er doch das erste Profijahr als Jockey am Stall Steintor von Otto-Werner Seiler. Wegner, ein gelernter Kfz-Schlosser kam als Jockey über den Amateursport zu den Profis. „Mein Vater wollte, dass ich unbedingt etwas Ordentliches lerne, deshalb begann ich zunächst als Amateur", schildert Stefan Wegner seine Anfänge, die als 17, 18 und 19jähriger in Championaten gipfelten und zu 171 Siegen im Rennsattel führten. Danach schloss sich eine Ausbildung im Galopprennsport an. Schon während dieser Zeit standen 50 Siege auf seinem Erfolgskonto.

Die erste Station als Profi-Jockey war der Stall Steintor auf der Neuen Bult, an dem Stefan Wegner wenig später die Nachfolge-Generation nach Fredy Gang einläutete. „Fredy wurde Zusehens schwerer, weil Verena so gut kochte" erinnert sich Stefan Wegner schmunzelnd an die Familie Gang. „So habe ich gleich in meinem ersten Jahr als Profi viele Rennen gewonnen. Allein in den Monaten Januar bis März waren es schon 15 Rennen. Damals gab es gerade im Winter viele Hindernisrennen, die auch auf schneebedecktem Geläuf abgehalten wurden" erinnert sich Wegner an alte Zeiten, in dem nicht nur der Hindernissport sondern der Galopprennsport im Allgemeinen noch in voller Blüte stand. „Gleich im ersten Jahr gelang mir das Vize-Championat hinter Rainer Ulrich" berichtet Wegner. „Danach war ich als Freelancer tätig, bevor ich an den Stall von Adolf Wöhler wechselte, um später dann wieder als Freelancer zu arbeiten. Als ich 1987 mein viertes Championat als Profi gewann, zeichnete ich aber schon gleichzeitig als Trainer von Afriola bei ihrem Sieg im Großen Raab Karcher-Jagdrennen in Gelsenkirchen verantwortlich, dem längsten Jagdrennen Deutschlands. Sie war das erste Pferd, das ich als Coach betreut habe."

Im Jahr zuvor krönte Stefan Wegner sein Wirken im Rennsattel mit dem Titel des Hindernisweltmeisters im englischen Cheltenham, einen Titel, der bis heute nur einmal vergeben wurde. „Bei drei Läufen, in denen jeweils ein Dutzend Nationen vertreten waren, erzielte ich zwei Siege und einen dritten Platz, was für mich in der Höhle des Löwen den Titel bedeutete", so Stefan Wegner über das absolute Highlight seiner Karriere.

Insgesamt gelangen ihm in seiner Profi-Laufbahn als Jockey über 250 Siege. Besonders gerne erinnert sich Stefan Wegner in diesem Zusammenhang an so gute Pferde wie den Bäder-Preis-Sieger Sammy, Stall Merkurs Ariporo, mit dem er 1985 auf der Neuen Bult den Großen Preis der Spielbank Hannover und damit eines der zu DM-Zeiten Hunderttausender Jagdrennen gewinnen konnte, sowie 1987 Stall Steintors Constantin, als Hindernispferd des Jahres, mit dem ihm ein weiterer Sieg in einem Hunderttausender auf der Neuen Bult, dem Großen Preis der Spielothek, gelang.

Im Oktober 1987 erfolgte der Beginn eines neuen Kapitels in der Karriere des Stefan Wegner: In der Bremer Vahr erfolgte mit 15 Pferden der Startschuss in den Trainerberuf. „Es war immer mein Wunsch, im Anschluss an die Jockeylaufbahn Trainer zu werden" begründet Wegner seinen damaligen Entschluss. Nach 313 Trainererfolgen auf der Flachen und 37 Siegen auf der Hindernisbahn will Stefan Wegner nun neue Wege gehen. „Ich mache zunächst einen Schritt zurück. Dem Rennsport und seinen Aktiven werde ich aber weiterhin verbunden bleiben. Ich könnte mir nach einer gewissen Übergangszeit auch eine Rückkehr in den Galopprennsport vorstellen. Dann aber nur in einem Angestelltenverhältnis", so Stefan Wegner.