Iquitos: Über München in den Japan-Cup

(27.10.2016/wis) Wer sich dieser Tage mit Hans-Jürgen Gröschel unterhält, der merkt, wie der Trainer von Freude, Stolz und Neugierde umgeben ist. Freude und Stolz, weil ihm, wie er selbst immer betont, im fortgeschrittenen Alter noch ein Gruppe I-Sieg gelungen ist; und Neugierde, weil die nächsten Wochen viel Spannendes mit sich bringen werden, sollte, und das hoffen wir, alles so verlaufen, wie es geplant ist.

Die Rede ist von Stall Mulligans Iquitos, der nach seinen grandiosen Siegen im Großen Preis der Badischen Wirtschaft (Gruppe II) und dem Großen Preis von Baden (Gruppe I) am kommenden Dienstag in München-Riem den Großen Preis von Bayern, und damit das nächste Gruppe I-Rennen, ansteuern wird. Ein Spaziergang wird es für den vierjährigen Adlerflug-Sohn, der zuletzt Fünfter im Kölner Europa-Preis war, bestimmt nicht werden. Doch braucht sich der doppelte Badener Grand Prix-Gewinner 2016 vor niemandem zu verstecken, wenngleich die äußeren Bedingungen nicht ganz seinen Vorlieben entsprechen könnten. Die Rede ist vom Boden. Hans-Jürgen Gröschel, der sich lieber in der Rolle des Tiefstaplers, als der des Favoriten sieht, hält zunächst einmal den Ball flach: „Man sollte bedenken, dass Iquitos eine schwere Saison hinter sich hat, und seinen passenden durchlässigen Boden vermutlich nicht antreffen wird. Sein Fell ist auch nicht mehr so glänzend, wie im Sommer. Unser Ziel lautet in die Platzierung zu laufen. Auch wenn wir uns für den Titel nichts kaufen können, so wäre Iquitos mit einer Platzierung als erster Sieger der Champions-League des Deutschen Galopprennsports in den Geschichtsbüchern verewigt. Daran würde dann auch ein Sieg von Protectionist nichts mehr ändern können. Doch damit die Rechnung aufgeht benötigen wir einen passenden Rennverlauf und vor allem Tempo", nennt Gröschel die Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden seines Schützlings. Als einen letzten Test für den Japan-Cup ist das Gruppe I-Rennen in Riem nicht anzusehen: „Wir wollen in München schon sehr gut laufen und bestmöglich abschneiden. Aber einen Endkampf wie im diesjährigen Deutschen Derby wird es mit mir nicht geben", stellt Gröschel klar.          

Wenn Iquitos den Großen Preis von Bayern gut überstanden hat, dann sollte für den 73-jährigen Coach und sein Umfeld bestehend aus Besitzern, Mitarbeitern und Familie am 27. November ein Traum wahr werden: Ein Start im Japan-Cup in der Weltmetropole Tokio.

In dem mit 674.000.000 Yen (umgerechnet 5.000.000 Euro) dotierten Einladungsrennen werden 10 Platzgelder ausgeschüttet. Doch schon vor dem Rennen gibt es für die Eigner des Stalles Mulligan, den Besitzern von Iquitos, eine Antrittsprämie von 100.000 Euro. Damit nicht genug, übernimmt der Veranstalter sämtliche Reisekosten für das Pferd und die gesamte Entourage. „Eine Unterbringung in einem  5-Sterne-Hotel ist dabei ebenso selbstverständlich, wie ein Dolmetscher, der uns immer zur Seite stehen wird. Man hat mit uns sogar Kontakt aufgenommen und nach den Futterwünschen für Iquitos gefragt", zeigt sich Gröschel begeistert. Iquitos, der aus der Zucht von Dr. Erika Buhmann, der Eignerin des Gestüt Evershorst in Langenhagen, stammt, wird 10 Tage vor dem Japan-Cup die Reise von den Niederladen aus in Richtung Tokio antreten, und dabei noch einen Zwischenstopp in Moskau einlegen. Auf japanischen Boden gelandet, wird Iquitos seine ersten drei bis vier Tage in der Quarantänestation  verbringen, bevor er vor seiner größten sportlichen Aufgabe stehen wird: Einem Start im Japan-Cup, einem der größten Pferderennen auf diesem Globus. Das seit 1981 ausgetragene Rennen wurde schon einmal von einem Pferd aus Deutschland gewonnen: 1995 von Gestüt Haus Ittlingens Lando, aus dem Stall von Trainerlegende Heinz Jentzsch, und geritten von Michael Roberts.