Geschichte des Hannoverschen Rennverein e.V.

Der Hannoversche Rennverein e.V. ist nach dem VfL Hannover von 1848 e.V. der zweitälteste Sportverein in Hannover. Bereits am 8. Juli 1867 gab der Verein zur Förderung der Hannoverschen Landes-Pferdezucht, die Urform des späteren Hannoverschen Rennvereins, per Zeitungsanzeige seine Gründung bekannt. Die Rennen wurden auf der Mecklen-Haide bzw. Vahrenwalder Haide ausgetragen und waren nur Offizieren und exklusivem Publikum vorbehalten.

6.000 Besucher kamen zum ersten Renntag. Der erste Sieger in der Geschichte des Rennsports in Hannover hieß Roulette, eine schwarze Stute, die unter Rittmeister von Rosenberg gewann. Sein Denkmal steht heute auf der Neuen Bult in Langenhagen.

Bereits im zweiten Jahr nach seiner Gründung erlitt der Verein starke finanzielle Einbußen. Doch General und Landwirtschaftsminister von Podbielski gelang die Sanierung. Noch im selben Jahr fand der Verein für 38 Jahre seine zweite Heimat auf der Kleinen Bult, dem heutigen Gelände der Stadthalle und des Stadtparks. Ein Topereignis dieser Zeit, dessen Tragweite damals noch gar nicht absehbar war, war der Sieg der ungarischen Wunderstute Kincsem am 2. Juli 1876 bei ihrem zweiten Lebensstart. Auf der Kleinen Bult wurde von 1881 an mit dem Deutschen St. Leger auch ein klassisches Rennen gelaufen.

Sein drittes Zuhause bezog der Verein 1906 auf der heutigen Alten Bult, wo noch für weitere drei Jahre das St. Leger gelaufen wurde, bevor es ab 1909 in Berlin-Grunewald entschieden wurde.

Ein besonderer Renntag fand am 7. Juli 1912 statt, als der Zeppelin-Renntag veranstaltet wurde. Neben den Rennen waren an diesem Tag die Landung und der Abflug des Zeppelins Viktoria-Luise die große Attraktion.

Am 15. Juni 1913 gab es zu Ehren S.M. Kaiser Wilhelm II. einen Jubiläumsrenntag, denn an diesem Tag feierte S.M. sein 25jähriges Kronjubiläum. 40.000 Goldmark wurden für das Hauptrennen ausgeschrieben, das Eccolo aus dem hannoverschen Stall Krüger gewann, der das Pferd erst kurz zuvor für 2.000 Mark erworben hatte.

Während des 1. Weltkrieges mussten die Rennen in Hannover nicht unterbrochen werden. So kam es, dass am 3. August 1917 die Große Woche in Vertretung für Baden-Baden auf der Alten Bult ausgetragen wurde.

Am 11. April 1920 gab es ein Kuriosum im deutschen Turf. Als erster Veranstalter präsentierte der Hannoversche Rennverein den Turffans einen Doppelrenntag. Der erste Teil begann morgens um 10:00 Uhr bis zum Mittag. Und der zweite Teil begann um 14:30 Uhr. Insgesamt wurden an diesem Tag 13 Rennen ausgetragen.

1930 machte die hereinbrechende Wirtschaftkrise vor den Toren Hannovers nicht halt und die Rennbahn an der Eilenriede hatte bis 1939 nur noch den Status einer Provinzbahn. Dann brach der 2. Weltkrieg aus und in der Nacht vom 9./10. Oktober 1943 gingen über Hannover schwere Bombenangriffe nieder. Diesen fielen auch viele Pferde auf der Alten Bult zum Opfer..

Schon im Sommer 1945 wurde die Bahn durch viele fleißige Hände, von Jockeys, Trainern, Besitzern und Rennsportfreunden wieder notdürftig aufgebaut. Bereits ein Jahr später erhielt der Hannoversche Rennverein die Genehmigung in der britischen Zone wieder Pferderennen abzuhalten. Am 20. Oktober 1946 war es dann soweit. Der erste Renntag nach Kriegsende wurde abgehalten und läutete eine neue Phase im hannoverschen Turf ein.

Kurz vor Weihnachten 1969 kam der große Knall: Der Hannoversche Rennverein erhielt von der Stadt Hannover die Kündigung. Ein amerikanischer Computerhersteller wollte auf dem Areal eine Fabrik errichten. Trotz vieler Proteste beugte sich der HRV den Argumenten der Stadt, die durch die Ansiedlung des Investors auf höhere Steuereinnahmen hofften, um die städtische Finanzmisere abzuwenden. Dem HRV wurde der Bau einer neuen hochmodernen Rennbahn vor den Toren der Stadt versprochen.

Am 15. August 1970 hieß es für die Hannoveraner Abschied nehmen von der Alten Bult, auf der nach dem letzten Rennen fast 65 Jahre Rennsport zu Grabe getragen wurden. 10.000 Besucher waren nach Bischofshol gekommen, um der Rennbahn die letzte Ehre zu erweisen.

Totenstille herrschte auf der Alten Bult, als der Präsident des HRV, Andreas Freiherr von Knigge, die ergreifenden Abschiedsworte sprach, bei denen viele in Tränen ausbrachen: "Lasst uns einig sein und stark: Unsere Rennbahn wird neu entstehen, in moderner und zeitgerechter Form!" Als ob der Himmel mit den Gästen fühlte, begann es nach dem letzten Rennen zu regnen.

Am 15. Juli 1971 trat das Computerunternehmen vom geschlossenen Vertrag mit der Stadt Hannover zurück, gab das Gelände an die Stadt Hannover zurück und verzichtete auf die Erstattung des Kaufpreises von 20,2 Millionen D-Mark.

Knapp drei Jahre rennsportlose Zeit gingen an Himmelfahrt, dem 31. Mai 1973, zuende. Um 15:00 Uhr wurde vor 20.000 Besuchern das erste Rennen auf der Neuen Bult gestartet. Und sogar der Maestro höchstselbst, Jockey-Weltstar Lester Piggott, hatte sich zu diesem Ereignis angesagt. Zu diesem Zeitpunkt war die Neue Bult die erste Galopprennbahn, die seit 1913 in Deutschland neu konzipiert wurde. Das Investitionsvolumen auf dem 69 Hektar umfassenden Gelände betrug 21,2 Millionen D-Mark. Gestüt Astas Odenwald, im Training bei Hein Bollow, war unter Peter Remmert der erste Sieger, der in Langenhagen den Zielpfosten passierte.

1974 folgte Klaus von Kardorff Andreas Freiherr von Knigge auf den Präsidentenstuhl des Hannoverschen Rennvereins. Während dieser Zeit etablierte sich der Galopprennsport auf der Neuen Bult und war als Veranstalter von gutem Basisport aber auch Rennsport der gehobeneren Klasse aus dem deutschen Turfkalender nicht mehr wegzudenken.

Nach dem Tod von Klaus von Kardorff 1985 wurde Frank Ritter zum Präsidenten des HRV gewählt. In seiner Amtszeit entwickelte sich die Neue Bult zur Hochburg des Hindernissports. Gleich drei Jagdrennen mit einer Dotierung von 100.000 DM wurden im Jahr entschieden. Aber auch auf der Flachen wurde eine Derby-Revanche ins Leben gerufen. Nach einer fast zwei Jahrzehnte andauernden Amtszeit trat Frank Ritte im August 2004 von seinen Amt zurück. Zuvor war der Verein durch erhebliche Investitionen in einen Tribünenumbau in eine finanzielle Schieflage geraten.

Durch ein Sanierungskonzept konnte der Fortbestand des Hannoverschen Rennvereins gesichert und eine Insolvenz abgewendet werden. Gregor Baum, hannoverscher Unternehmer und bereits familiär mit dem Rennsport in Berührung, engagierte sich zu dieser Zeit federführend und sicherte damit die Neue Bult in der deutschen Galoppsportlandschaft. Seit dieser Zeit avanciert Gregor Baum zum Präsidenten. Unter neuer Handschrift erfährt die Neue Bult einen Charakterwandel, der zu einer Event-Rennbahn mit Sport, Spaß und Unterhaltung für die ganze Familie führt. Ansteigende Zahlen im Sponsoren- und Zuschaueraufkommen bestätigen die Verantwortlichen des Vereins in ihrem Wirken. Mit Listen- und Auktionsrennen sowie einem Gruppe II-Highlight hat sich auch der sportliche Stellenwert des Jahreskalenders in den letzten Jahren mehr als beachtlich entwickelt.

Der seit fast 40 Jahren bestehende Zuschauerrekord vom Eröffnungstag der Neuen Bult am 31. Mai 1973, an dem 20.000 Besucher auf die Rennbahn strömten, wurde erstmals am 25. April 2011 geknackt, als am Hannover 96-Renntag 22.700 Zuschauer gezählt wurden.

Doch diese Bestmarke hatte nur zwei Jahre Bestand, denn zur Saisonpremiere am 28. April 2013 konnte diese Bestmarke beim traditionellen Hannover 96-Renntag noch einmal auf 23.000 Besucher ausgebaut werden.

Es ist kein Geheimnis mehr: Die Zuschauerzahlen untermauern eindrucksvoll, dass auf der Neuen Bult in Langenhagen seit vielen Jahren die besten, stimmungsvollsten und unterhaltsamsten Renntage des deutschen Turfs veranstaltet werden.